Wissenswertes über Levadas

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Wissenswertes über Levadas






Die Geschichte der Levadas ist so alt wie die Geschichte Madeiras seit der Besiedelung im 15. Jahrhundert und ist auch eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft. Die Landwirtschaft war die Basis der Wirtschaft und der Grundstein des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Aber das Land war für diesen Zweck nicht optimal: Das Landesinnere war zerklüftet und unzugänglich, der Norden windig und feucht. Die Zuckerrohrplantagen und die Weinberge mussten deshalb dort errichtet werden, wo der Boden fruchtbar war, wo die Temperatur und Sonneinstrahlung optimal waren, wo sie vor dem Wind geschützt waren und auch im Winter ein Anbau möglich war. Das war an der Südküste.
Durch Kahlschlag und Brandrodung wurde Acker- und Weideland geschaffen. Auf der andern Seite entsprangen die Quellen, und die Flüsse und Bäche nahmen ihren Ursprung in den höheren Regionen und in den Bergen. Zudem verliefen die Wasserläufe in tiefen Schluchten und nicht auf den bebaubaren Flächen.
So entstand bald die Idee, das Wasser auf einer gewissen Höhe abzufangen und in Wasserkanälen über längere Distanzen zu transportieren.
Die ersten Levadas waren in der Länge begrenzt und dienten der lokalen Umleitung des Wassers. Ebenfalls wurden vor allem in der Region um Funchal sogenannte Vertikallevadas gebaut, die von den Bergabhängen in der Fallinie verlaufen.
Die Planung von Levadas, die das Wasser von der wasserreichen Nord- auf die Südseite leiten sollten, fällt in die Zeit nach 1800. Das erste Wasser nach Süden floss 1855 durch den Furado Velho (Tunel das Estrebarias) über die Levada Velha do Rabacal (Levada do Risco). 1877 wurde der Reitertunnel (Furado Novo do Rabacal) eröffnet. 1905 erreichte das Wasser vom Gebiet oberhalb der Faja da Nogueira über die Levada do Furado und die Levada da Serra do Faial die Gegend von Funchal.


Bau und Unterhalt



Gemäss Chroniken aus den Anfängen der Besiedelung waren die ersten Kanäle relativ kurz und aus Holzbalken gebaut. Die erste Levada, die in den Chroniken erwähnt wird, ist die Levada de Santa Luzia (1515).
Später, als der Wasserbedarf durch den Zuckerrohranbau und den Weinbau massiv anstieg, wurde die Technik der Konstruktion verbessert und das Netz der Levadas ausgebaut.
Sie wurden auf Terrassen in massiver Bauweise (mit Steinplatten ausgelegte Rinnen) gebaut. Die heutigen Levadas werden aus Beton gebaut, und die alten werden ebenfalls mit Beton repariert.

Die ersten Tunnels wurden von Hand mit der Harke aus dem Fels gehauen, später wurde Sprengstoff eingesetzt.
Die Masse des Levadabettes wurden von weniger als einem Meter Breite und 50-60 cm Tiefe auf 120 cm Breite und einem Meter Tiefe vergrössert.
All zu gross darf die freie Oberfläche wegen der Verdunstung des Wasser nicht sein. Das Gefälle ist selbst bei älteren Levadas erstaunlich konstant und präzise (1m auf 1 km), um den Höhenverlust zu minimieren und einen kontinuierlichen langsamen Wasserfluss zu ermöglichen.
Immer verläuft ein Pfad neben den Levadas, um den Unterhalt sicherzustellen. Manchmal breit, manchmal sehr schmal und ausgesetzt, manchmal mit Geländern gesichert oder mit Bäumen oder Büschen bepflanzt.
Jahrhunderte lang wurden Levadas mit einfachen Werkzeugen von Hand in die Felsen gehauen. Die Kenntnisse der Mauren im Bau von Wasserkanälen halfen den Madeirensern, es sollen auch Sklaven zur Arbeit in den gefährlichen Regionen eingesetzt worden sein. Gleiches wird auch von den Suonen im Wallis (Schweiz) berichtet, hier wurden verurteilte Verbrecher zur Arbeit gezwungen, offiziell Freiwillige, die dadurch ihre Strafe reduzieren konnten.
Die Arbeiter wurden in Körben, die an Felsen oder Bäumen hingen, in die exponierten Felswände heruntergelassen, um das Trassee der künftigen Levadas in die Felsen zu hauen. Der Tod war der stetige Begleiter, wieviele Arbeiter ums Leben gekommen sind, wird nicht berichtet. Aber wenn man heute Levadas wie die Levada do Norte im Tal der Ribeira Brava oder die Levada do Curral e Castelejo betrachtet, dürfte der Bau dieser Werke unzählige Menschenleben gefordert haben.
Heute ist es zwar einfacher durch den technischen Fortschritt, aber der Ausbau und die Reparatur der Levadas bleibt immer noch eine harte Arbeit, die Zementsäcke müssen immer noch von Hand an den Abgründen vorbeibalanciert werden.


Hier einige Eindrücke von den Herausforderungen, vor denen die Arbeiter bei der Erstellung der Levadas standen:
naturemeetings
ilhas.org



Besitzverhältnisse



Die ersten Levadas waren von privaten Grossgrundbesitzern in Auftrag gegeben worden. Das Wasser wurde nach ihrem Gutdünken verteilt, und wenn es noch Wasser übrig hatte, wurde es zu überrissenen Bedingungen an Bauern und Siedler abgegeben, die damit zu Opfern der Spekulation wurden. Als Reaktion schlossen die Bauern zu Genossenschaften zusammen. Diese sogenannten Heréus waren Mitbesitzer des Wassers, das in den gemeinsam in Auftrag gegebenen Levadas transportiert wurde. Sie beteiligten sich am Unterhalt und wählten eine Ausschuss zur Verwaltung der Wasserrechte.
Dieses Prinzip setzte sich durch, ein Dokument belegt einen königlichen Erlass aus den 16. Jahrhundert, das es verbietet, den Wasserlauf auf dem eigenen Land zu behindern und nur zum eigenen Nutzen zu gebrauchen.
Der Bau von Levadas mit öffentlichem Geld begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Eine der ersten war die Levada Velha do Rabacal, welche von 1835 bis 1860 gebaut wurde. Etwas später wurde die Levada do Furado gebaut, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Levada da Serra do Faial in Betrieb genommen.
Obwohl sich das Prinzip der Hereus bewährt hatte, wurden um 1900 immer mehr privat finanzierte Levadas gebaut, die wie zu Beginn das Wassermonopol auf eigenem Grund und Boden ausnützten. Dies führte zu sozialen Spannungen, und der Staat beschloss, den Bau der Levadas zu verstaatlichen.


Blütezeit des Levadabaus



1943 wurde die Comissão Administrativa dos Aproveitamentos Hidráulicos da Madeira gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt existierten etwa 200 Levadas mit einer Gesamtlänge von 1000 km. Madeira hat eine Gesamtfläche von 737 km2, davon sind 300 km2 bebaubare Fläche.
1947 waren davon nur 110 km2 genutzt. 30 Jahre später war die ganze bebaubare Fläche genutzt und das Levadasystem wurde auf 1400 km erweitert.
Diese 30 Jahre stellen einen Meilenstein in der Geschichte der Levadas dar: 400 km neue Levadas, 210 km2 zusätzliche Ackerfläche und der Bau von 4 Wasserkraftwerken (1953 die Kraftwerke Serra de Agua und Calheta ,1965 das Kraftwerk Ribeira da Janela und 1971 das Kraftwerk Faja da Nogueira, die von Levadas gespiesen werden, sind eine eindrückliche Bilanz.
Ebenfalls beeinduckend sind die technischen Leistungen der Levadabauer: 100 km wurden in einer Höhe von über 1000 m gebaut, was technisch sehr anspruchsvoll ist, da hier alle Trassees in steilem Gelände verlaufen, und es wurden 20 km Tunnels erstellt.
Das Wasser wird doppelt genutzt, nachdem es die Wasserkraftwerke passiert hat, wird es in den meisten Fällen zur Trinkwasserversorgung und zur Bewässerung genutzt.
Private Levadabesitzer wurden enteignet, was nicht immer ohne Probleme über die Bühne ging. Aber der Erfolg der staatlichen Intervention ist beeindruckend und vermutlich der Schlüssel zu einer gerechten Verteilung des kostbaren Gutes.
Trotzdem war das Verwalten des Wassers nicht frei von Unruhen und Dramen. Das letzte Tragödie spielte sich im Jahr 1963 ab, als die Heréus der Levada do Moinho behaupteten, dass die hereus der höher gelegenen Levada Nova das Wasser aus der Ribeira da Ponta do Sol im Übermass ableiteten. Sie konnten nur noch in der Nacht bewässern, und erst noch zu einem höheren Preis als bisher. 4 Monate lang bewachten die Heréus die Madres der beiden Levadas. Der Konflikt war erst zu Ende, als ein Einwohner von Lombada durch eine Polizeikugel getötet wurde. Aber auch heute bietet die Verteilung des Wassers immer wieder Gesprächsstoff zwischen Bauern und den Levadeiros, wie im Dokumentarfilm ersichtlich ist.

Neue Herausforderungen



Der Prozess ging und geht weiter: Durch den höheren Lebensstandard und die steigende Bevölkerungszahl vor allem in den Städten stieg der Trinkwasserbedarf.
Die öffentliche Versorgung mit Trinkwasser stand in Konkurrenz zu den Interessen der Landwirtschaft, die Umverteilung wurde zunehmend zum Problem.
Zwischen 1970 und 1990 wurden von der Regionalregierung viele Anstrengungen unternommen, die Wasserzufuhr zu vergrössern oder auszubauen.
In den meisten Fällen waren dies aber Lösungen für regionale Probleme ohne einen Gesamtplan.
1990 wurde deshalb die IGA (Instituto de Gastao da Agua, Institut für das Wassermanagement) gegründet, mit dem Ziel, die Wasserversorgung der Bevölkerung unter Berücksichtigung der Bewässerung und der Wasserenergiegewinnung sicherzustellen. Die Trinkwasserversorgung der Insel wurde neu konzipiert .
Hauptaufgabe war es, neue Trinkwasserquellen zu erschliessen, die Zuflüsse zu verbessern, Wasseraufbereitung nach heutigen Normen zu erstellen und eine Wasserqualitätskontrolle einzuführen. Einige Levadas bleiben ein wichtiger Grundstein, dazu kommen Wassergalerien (Tunnels, die 2-3 Km in den Berg reichen und Grundwasserseen anzapfen), Quellen, die neu gefasst wurden, Brunnen, die gesichert wurden.
All diese Wasserquellen werden regional zusammengeschlossen und mit Rohrsystemen, aber auch mit offenen Levadas verteilt. Es werden Wasserreinigungsanlagen, Chloranlagen und Pumpen dazwischengeschaltet, und es entstehen gigantische Speicherbecken und unzählige Wasserreservoirs, in denen das Wasser gelagert wird.
1995 wurde das Kraftwerk Socorridos gebaut, welches 2006 zu einem modernen Pumpspeicherkraftwerk Socorridos Multipurpose System umgebaut wurde.
Auf der Paul da Serra wurde ein gigantischer Windpark gebaut.
Mit Grünalgen wird auf Porto Santo CO2-neutral Bio-Rohöl produziert.

Zukunftspläne



Es ist ein Pumpspeicherkraftwerk Calheta III geplant, um die tageszeitliche Überproduktion v.a. der Windturbinen zu speichern. Der Windpark wird dauernd erweitert, und auch weiter alternative Stromquellen wie Solarenergie und Kehrrichtverbrennungsanlagen werden gefördert, um die Verbrennungskraftwerke, die immer noch 70% der elektrischen Energie auf Madeira erzeugen, zu entlasten.