Tarsch_Latsch

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Waale und Wanderungen um Latsch und Tarsch


Gegend: Tarsch und Latsch

Latsch liegt im Talboden an der Etsch auf 620 Metern, die Fraktion Tarsch etwas südlich auf einem Murkegel. St. Martin im Kofel liegt auf 1740 Metern oberhalb von Latsch und ist mit einer Seilbahn erreichbar. Im Bereich der Grauen Wand, dem Niederjöchl, dem Rosskopf und dem Joch südlich der Zerminiger Spitze wurde im 18. Jahrhundert ein ausgedehntes Jochwaalsystem erstellt

Waale um Latsch:


Der Latschanderwaal hat eine Länge von etwa 8 Kilometern. Er wurde 1872/73 erbaut. Er zählt auch heute noch zu den wichtigen Waalen des Vinschgaus. Er wird auf etwa 660 Metern an der Etsch gefasst und verläuft auf den ersten 1500 Metern unterirdisch in Rohren durch Obstanlagen. Danach führt er als offener Kanal ab dem östlichen Rand des kleinen Tisser Schwemmkegels oberhalb der Talsstrasse Richtung Kastelbell. Er quert die senkrechten Felsen in Rohren, diese Stelle ist 1995 ebenfalls begehbar gemacht worden. Danach verläuft er oberhalb von Kastelbell durch Weingüter bis fast nach Galsaun und mündet schliesslich in den Galsauner Runst. Drei Viertel des des offenen Waalverlaufes sind in ihrem naturnahen Zustand erhalten, der Rest ist in Betonrinnen gefasst. Der Waal ist noch voll in Betrieb und deckt den Wasserbedarf von Kastelbell und teilweise auch von Galsaun. Am Waalbeginn steht eine Filtrieranlage, oberhalb von Kastelbell eine 1990 renovierte Waalerhütte samt Waalschelle.

Waale um Tarsch:


Der Ramini Waal wird auf 950 Metern am Ramini- oder Latscherbach südlich von Tarsch in der Nähe des Elektrizitätswerkes von Latsch gefasst und verläuft durch steile Nadelwälder nach Osten zum Tiefentaler oder Tarscher Grabens und damit zu den oberen Wiesen des Latscher Schwemmkegels. 1975 wurde der Waal im Rahmen der Erstellung von Beregnungsanlagen aufgelassen und durch eine tiefer verlaufende Rohrleitung ersetzt. Der grosse trocken gemauerte Kanal ist allerdings noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Und im westlichen Teil fliesst sogar wieder Wasser. Der Begleitweg ist als Wanderweg markiert.


Der Neuwaal wird auf 870 Metern am Ende des Martelltales an der Plumi gefasst und führt zunächst durch die steilen Hänge auf den Rücken, auf dem auch die Burgen Ober- und Untermontani stehen. Ab hier verläuft er nach Osten bis zum Valtneidgraben und zu den Mareinwiesen. Ursprünglich existierte ein Waal, der die Burg Obermontani mit Wasser versorgte und auch zusammen mit dieser im 13. Jahrhundert gebaut wurde. 1564 erwarben die Bauern das Recht, diesen alten Waal zu verlängern und damit das Wasser der Plima für die Bewässerung der Mareinwiesen zu nutzen. Dieser neue Waal nannte man 'Neuwaal'. 1975 wurde der 5 Kilometer lange Waal aufgelassen und durch eine Rohrleiting ersetzt. Der Damm und der Begleitweg sind aber noch zum grössten Teil erhalten. In einer Felswand sind Namen, Figuren, Jahreszahlen und Buchstaben eingraviert. Hier haben sich die Waaler verewigt und ein eindrückliches Kulturdenkmal geschaffen.


Der Mareinwaal wird auf etwa 740 Metern an der Plima unter dem Burghügel von Montani gefasst und quert dann den Valtneider Schwemmkegel und später den Tarscher Schwemmkegel auf etwa 700 Metern Höhe. Er mündet beim Weiler Marein in den grossen Etschwaal. Der Waal wurde 1372 erbaut und 1975 durch eine Rohrleitung ersetzt. Sein Verlauf ist heute teilweise verschwunden, teilweise aber auch in seinem ursprünglichen, wenn auch trockenen Zustand oder als Betonkanal erhalten.


Der Kandlwaal bei Tarsch oder Tarscher Waal wurde auf 750 Metern am Raminibach gefasst und umrundete den Tarscher Schwemmkegel Richtung Latschinig, wo er auf 667 Metern endete. Ursprünglich hiess er auch Tarscher Waal. 1976 wurde der Waal im Zuge der Erstellung von Beregnungsanlagen und von Flurbereinigungen durch eine Rohrleitung ersetzt. Der Waal wurde eingeebnet und ist heute verschwunden. Er wird um 1318 urkundlich erwähnt, einige Fluren werden noch heute nach dem alten Waal benannt.


Der Tarscher Schlumswaal wird auf 1540 Metern am Schlumsbach gefasst. Ab hier führt er durch steile Waldhänge zum Oberrand der Freiberger Wiesen und dann nach Westen wieder durch den Wald hinab nach St. Metardus und auf den Tarscher Schwemmkegel, wo er auf rund 800 Metern endet. Er wurde bereits 1960 aufgelassen und durch eine Rohrleitung ersetzt, die aber einen anderen Verlauf aufweist. Der trocken gemauerte Kanal ist an einigen Stellen noch gut verfolgbar, aber stark verwachsen. 1333 wird erwähnt, dass die Bauern von Tarsch Anrecht auf das Wasser des Schlumsbaches haben. Er war seither immer Ursache für Streitigkeiten um die Wasserrechte, bis 1816 ein Vergleich erfolgte.


Der Obere Latschinigwaal wird am Schlumsbach auf 920 Metern gefasst. Er hat eine Länge von 3 Kilometern. Er führt aus dem Schlumsbachgraben heraus nach Westen und quert unterhalb des Platzgumhofes Wiesen und erreicht nach einer weiteren Waldpassage oberhalb von Latschinig den Tarscher Schwemmkegel auf 736 Metern Höhe.


Der Untere Latschinigwaal hat eine Länge von 2.5 Kilometern und wird ebenfalls am Schlumsbach auf 850 Metern Höhe gefasst. Er verläuft parallel, aber 50 Meter tiefer, zum Oberen Latschinigwaal vor allem im Wald und erreicht auf 667 Metern Latschinig und den Tarscher Schwemmkegel. Früher wurden mit dem Wasser auch einige Mühlen in Latschinig betrieben.


Der Tarscher Jochwaal ist zwar längst aufgelassen, die noch vorhandenen Relikte sind aber sehr eindrücklich. Es handelt sich um einen der höchstgelegenen Bergwaal der Ostalpen. Er wurde auf 2650 Metern an dem nach Ulten abfliessenden Kuppelwiesbach gefasst. Er querte dann die steilen und felsigen Abhänge der blauen Schneid bis zu einem 2620 Meter hohen Joch am Grat der Arzkarwände. Ab hier fällt er 100 Höhenmeter ab zum Latscher Joch und wechselt hier die Talseite auf einem Pfeileraquaedukt. Er quert die Nordwesthänge des Hohen Marcheggs und endet in der Nähe eines Wetterkreuzes auf etwa 2450 Metern. Ab hier wurde das Wasser in den natürlichen Bachläufen in Richtung Tarsch geleitet. Die Länge des Tarscher Jochwaales beträgt etwa 2.5 Kilometer. 1782 erwarben die Tarscher Bauern die auf der Ultner Seite gelegene Kuppelwiesenalm. Sie fassten den Entscheid, den dortigen Bach anzuzapfen und das Wasser auf die Vinschgauer Seite zu leiten. 1865 wurde mit dem Bau begonnen. Er war mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden. Neben den erwähnten Stützmauern mussten auch Kandln in den senkrechten Felswänden angebracht werde, teilweise verlief der Waal auch in Bodenkanälen, die mit senkrecht stehenden Steinplatten ausgekleidet waren. Der Unterhalt des Waales war ebenfalls sehr aufwendig, ausserdem war der Wasserverlust im Waalverlauf ziemlich gross. Als auch noch ein Blitz die Holzkandln zerstörte, wurde der Jochwaal aufgegeben.


Der Kübelwaal ist ein nur etwa 700 Meter langer Waal, der am Falzeibach auf etwa 2025 Metern Höhe gefasst wird. Er führt am Oberrand der Almwiesen nordostwärts zur Tarscher Alm auf 1939 Metern. Er diente vor allem dem Betrieb der Buttermaschine ('Butterkübel'). Durch die Errichtung des Skigebietes wurde der Waal in Mitleidenschaft gezogen und durch Kunststoffrinnen ersetzt.


Der Grosse Etschwaal wird zwar zwischen Latsch und Tscharsch gefasst, wird aber unter
Waale um Naturns besprochen.


Waale um St. Martin im Kofel:


Der Waal von St. Martin im Kofel hat eine Länge von etwa 2.5 Kilometern. Er wird auf 2500 Metern unter der Vermoispitze gefasst. Er quert zuerst ein steiniges Geröllfeld bis zu einer Schulter, danach verläuft er steil bergab, dann nach Südosten entlang des Weges, der zum Niederjöchl führt. Dann nach Südwesten zu den Wiesen von St. Martin im Kofel. Der Waal bestand wegen des steinigen Geländes vor allem aus Holzkandln, teilweise aus einem steingefassten Bodenkanal. Der Waal wurde aufgelassen und durch eine Rohrleitung ersetzt, Reste des Bodenkanals und der Holzkandln sind aber noch sichtbar.

Das Goldrainer Jochwaalsystem:


Die Berghänge zwischen Schlanders und Staben gehören zu den trockensten Gebieten des Vinschgaus. Deshalb reichte das Wasser, das sich in den Bächen der Nordhänge ins Tal ergoss, nicht aus, um den Wasserbedarf der Talgemeinden zu decken. Zu diesem Zweck wurden die Wasserreservoire, die sich normalerweise über das Penaudtal ins Schnalsertal abflossen, über ein ausgeklügeltes Waalsystem gefasst und auf die Seite des Haupttales geleitet. Von dort floss das Wasser über die bestehenden Bäche talwärts.


Der Goldrainer Jochwaal wurde auf 2700 Metern im obersten Penaudtal im Bereich der Augengläserseen gefasst. Von hier verlief er bis zu einer Kammsenke, quert die Felsen der Hühnerwand und erreicht schliesslich das Niederjöchl auf 2662 Metern. Er hatte eine Länge von 2 Kilometern. Er war teilweise gepflastert und mit Steinplatten bedeckt, teilweise offen, ein Teil bestand aus Holzkandln, die direkt in den Felsen verankert waren oder über mannshohe Steinmauern liefen. Der Waal wird um 1740 urkundlich erwähnt. Zwei Drittel des Wasser wurden über den Tissbach in den Raum Goldrain geleitet, ein Drittel nach St. Martin im Kofel als Entschädigung für den Unterhalt des Waales. 1951 wurden die Holzkandln durch Eternitrohre ersetzt. Nachdem diese undicht geworden waren, wurde der Waal eine Zeit lang aufgelassen. 1983 wurde dann eine teils im Waal, teilweise ausserhalb gelegene Druckröhre verlegt, die wie der alte Waal am Niederjöchl endet. Vom alten Jochwaal sind noch die Stützmauern und teilweise die Eternitrohre vorhanden.


Der Obere Goldrainer Jochwaal wurde an einem kleinen See auf 2772 Metern nordöstlich des Rosskopfes gefasst und führte nach Süden zu einer Kammsenke nordwestlich des Niederjöchls. Das Wasser wurtde von dort durch den Forragraben in den Tissbach abgeleitet. Der Waal ist schon lange aufgelassen, Reste des in Stein gefassten Kanals sind noch sichtbar.


Der Waal am Zuckbichljöchl wurde auf 2900 Metern gefasst und führte das Wasser über das Zuckbichljöchl dem Fallerbach zu. Dieser Waal wurde schon vor längerer Zeit ausser Betrieb gesetzt. Reste sind aber immer noch sichtbar.



Unsere Wanderungen um Latsch:



Vermoispitze: 08.10.2007

Aufstieg von St. Martin auf die Vermoispitze und Abstieg über die Schäferhütte und den Vinschger Höhenweg
ca 12 Km, Höhendifferenz ca. 1350 Hm Auf- und Abstieg


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Empfohlene Wanderungen um Latsch:



Die Wanderung bei sentres.com, Begehung des Latschanderwaalweges (westlicher Teil), (pdf).
Man kann natürlich auch den ganzen Latschanderwaal und danach auch noch den Tscharscher Schnalswaal bis zum Schloss Juval erwandern und von dort ins Tal absteigen


Empfohlene Wanderungen um Tarsch:



Die Wanderung bei sentres.com, Begehung des Tarscher Jochwaales (pdf).


Die Wanderung bei sentres.com, Begehung des Ramini-Waales (pdf).


Die Wanderung bei sentres.com, Von Morter über die Morteralm nach Goldrain (pdf).


Die Wanderung bei sentres.com, Begehung des Neuwaales und des Mareinwaales (pdf).


Die Wanderung bei trackspotting.com, Begehung des Raut-, Neu- und Mareinwaales auf einer kleinen Rundwanderung



Empfohlene Wanderungen zum Niederjöchl und zum Goldrainer Jochwaal:


Die Wanderung bei sentres.com, Wanderung zum Niederjöchl und zum Goldrainer Jochwaal, (pdf)
Bei entsprechender Kondition kann man auch noch weiter nach Westen bis zum Zuckbichljöchl und allenfalls zur Zerminiger Spitze wandern und die Reste des Jochwaalsystems entdecken.




Quelle: Südtiroler Waalwege 40 schöne Wanderungen von Hanspaul Menara ISBN 978-88-8266-829-7