An den Levadas von Madeira wurden Wassermühlen bevorzugt an Steilstellen und Geländestufen errichtet. Die Fallenergie des Wassers wurde hier in nützliche Wasserkraft umgewandelt und gleichzeitig die hydraulische Beanspruchung der Levadas vermindert. Die Mahlwerke wurden durch horizontale Wasserräder mit vertikalen Wellen vom Typ Rodizio angetrieben. Das offene Freistrahl-Impulsrad eignet sich besonders bei geringen Zuflüssen, aber größeren Fallhöhen, und war daher in den Wassermühlen der Trockenregionen vom Nahen Osten über den gesamten Mittelmeerraum bis zu den Kanarischen Inseln, Madeira und in Übersee vorherrschend. Die Wassermühlen Madeiras sind leicht zu erkennen, wenn ihr oft an einen Schornstein erinnernde Cubo noch monumental in der Landschaft steht. Der Cubo ist der meist senkrecht stehende zylindrische Druckturm aus grobem Steinmauerwerk, später aus Beton, mit einem Innendurchmesser von rund 1 m und einer Höhe von bis zu 10 m.
Die Abbildung zeigt einen schematischen, perspektivischen Schnitt durch eine madeirensische Wassermühle. Das Wasser der Levada wird durch eine fast horizontale Zuleitung (Oberwasser, Aquädukt) zum Druckturm, dem Cubo, geleitet, in den es nicht "fällt", sondern ihn bis zum Rand füllt und damit einen Wasserdruck erzeugt, der der Wassertiefe entspricht. An der Basis des Cubo befindet sich ein Auslass mit einer Düse (Seiteira) aus der ein Wasserstrahl tangential auf die Schaufeln des Rades auftrifft und es aufgrund der Kräfte des Impulses und der Ablenkung dreht. Die klassischen Wasserräder Madeiras waren aus Holz gefertigt mit einem Durchmesser um 1,25 m und 20 löffelartig geformten Schaufeln, die eine Umlenkung des Strahls und damit einen höheren Wirkungsgrad erreichten als die brettartigen Schaufeln einfacher Impulsräder in vielen Mühlen wasserreicher Bergregionen der Welt. Die Räder waren Vorgänger der modernen Pelton-Turbine.
Die senkrechte Radwelle (Achse, Mühleisen, Pela) ist durch die Decke der Radkammer in den Mahlraum und durch den Bodenstein (unterer festliegender Mühlstein) geführt. Sie ist durch eine Spindel mit dem Läuferstein verbunden, den sie direkt und mit gleicher Umdrehungszahl antreibt. Die Welle steht in ihrer Lagerpfanne auf dem Stegbaum (Reino), einem einseitig gelagerten Balken, dessen anderes Ende über ein Kurbelgewinde „Lichtwerk“ angehoben oder abgesenkt werden kann, um den Abstand der Mühlsteine zu regeln. Das
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Rad ist mit Keilen an der Welle befestigt. Außer einigen kleineren Teilen, wie Wellenlager und Spindel, war alles aus Holz gefertigt. Stahlräder wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Das genutzte Wasser floss aus der Radkammer in den nächsten Abschnitt der Levada, durchströmte in vielen Fällen noch weitere Mühlen, bis es sich schließlich zur Bewässerung in die Felder ergoss.
Im Jahre 1863 wurden 365 Wassermühlen auf der Insel Madeira gezählt. Davon künden heute nur noch Reste und einige museal wiederhergestellte Mühlen.
Hartmut Wittenberg
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