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10.09.2018 Wanderung um die beiden Emosson-Stauseen
Datum: 10.09.2018
Anfahrt: Réchy - Martigny
Verlauf: Start in Martigny mit dem Mont-Blanc-Express (Schmalspurbahn mit temporärer Zahnradunterstützung), bis Le Châtelard, mit der Standseilbahn entlang der alten Druckröhre bis zum ehemaligen Wasserschloss, dort Umsteigen auf den Panoramazug bis zum Fusse der Staumauer und mit dem minifunic zur Staumauer. Ab hier über die grosse Staumauer und Aufstieg durch Gorge de la Veudale auf 2500 M. Besuch der Ausgrabungsstätte mit den Dinosaurierspuren, Abstieg zum Lac Vieux d'Emosson, zur Staumauer und Abstieg auf der Zufahrtsstrasse bis zum grossen Stausee, diesem entlang bis zum Ort, wo man im Frühjahr den alten Barberine-Staudamm sehen könnte, ab hier zurück zur Staumauer und gemütliche Rückfahrt mit den 3 Bähnchen und dem Zug nach Martigny.
Distanz: 16 Km, 780 Hm Aufstieg, 780 Hm Abstieg
Start: 09.45 Staumauer Lac d'Emosson
Ende: 15.45 Staumauer Lac d'Emosson
Zustand: Der Aufstieg in der Gorge de la Veudale ist wunderschön und auch problemlos zu gehen, ebenso wie der Abstieg zu den beiden Stauseen
Bemerkungen: Aussichtsreiche Tour und die Seen sind bei blauem Himmel unvergleichbar, vor allem der Lac Vieux d'Emosson. Diese Spiegelungen sind einfach genial.
Die Funktion und die Anlagen der Kraftwerke um die beiden Seen sind nicht ganz einfach zu verstehen. Ich habe für mich mal einen Versuch gemacht, alles zu verstehen. Meine Erkenntnisse habe ich hier und auf der Karte kurz zusammengefasst.
Begonnen hat das Ganze mit der Planung der SBB, in dieser Region ein Kraftwerk zu erstellen. 1916 hatte die SBB beschlossen, ihr Bahnnetz zu elektrifizieren und musste deshalb dezentrale Anlagen über die ganze Schweiz verteilt zur Bereitstellung von elektrischer Energie erstellen. Sie erwarben in dieser Region die Wasserrechte an den Flüssen Barberine, Trient, Eau Noire und später des Triège superieur (1950) und bauten verschiedene Staudämme und Zuführstollen: Im Tal der Barberine enstand die Barrage de Barberine. Sie staute 30 Mio m3 Wasser, das Wasser wurde zum Wasserschloss in Les Montuires geleitet und die Druckleitung nach Le Châtelard-Barberine I bildete die erste Stufe des Kraftwerkes. Ebenfalls in Le Châtelard steht das kleine Nebenkraftwerk 'du Trient', das durch einen Stollen und eine Druckröhre aus dem benachbarten Tal des Trient gespiesen wird. Das turbinierte Wasser wurde sofort ohne Zwischenlagerung weitergeleitet in der zweiten Stufe zum Kraftwerk Vernayaz in der Rhoneebene.
1955 wurde der Staudamm Vieux Emosson gebaut, der das Stauvolumen um 11 Mio m3 erhöhte. Diese Konstellation bestand bis 1976.
Schon lange war bekannt, dass sich die Gegend um Emosson als Wasserspeicher sehr gut eignete. Es gab zwei Probleme: Der Felsriegel an den die neue Staumauer angebaut werden musste, lag auf französischem Boden, und die vielversprechendsten Wasserrechte waren bereits an die SBB vergeben. 1935 wurde deshalb die schweizerisch-französische Gesellschaft Electricité d'Emosson SA (ESA) gegründet, um die Interessen beider Länder zu berücksichtigen. Und es mussten sehr ausgedehnte Zuführstollen aus abgelegenen Gebieten gebaut werden, um die Wasserrechte der SBB nicht anzutasten. Ebenfalls musste mit der SBB über eine sinnvolle gemeinsame Nutzung der neu zu bauenden Infrastrukturen verhandelt werden, um den SBB den ihr zustehenden Anteil der elektrischen Energie zuzusichern.
So wurde 1967 - 1976 die neue 180 Meter hohe Barrage d'Emosson südöstlich der Barrage de Barberine gebaut. Der alte Staudamm wurde geflutet und ist bei tiefem Wasserstand im Frühjahr gut sichtbar (Siehe hier oder hier). Der Stauraum beträgt 225 Mio m3, der Stausee wird direkt mit Wasser aus den Höchtälern der Eau Noire (Eau de Bérard, Val de Tré les Eaux, Nant de Loriaz) und indirekt aus dem Val de Ferret (La Fouly, Treutse Bô, Planereuse, Saleina, Le Trient) und aus dem Gebiet von Argentière und Le Tour (teilweise Untergletscherfassung) dem Kraftwerk Vallorcine zugeführt. Von hier wird es zum Lac d'Emosson hochgepumpt. Das Wasser aus dem Val de Ferret wird zwischengespeichert im Lac d'Essert. Mit einer Druckleitung zum Kraftwerk Vallorcine kann hier ein Teil der Pumpenergie gewonnen werden. Das Kraftwerk Vallorcine bildet ebenfalls die erste Kraftwerksstufe für die Energiegewinnung für die ESA. Dies geschieht über einen neue Zuführstollen aus dem Lac d'Emosson zum neuen Wasserschloss und eine Druckleitung. Ebenfalls von diesem Wasserschloss aus führt eine neue Druckleitung zum neuerstellten Kraftwerk Le Châtelard-Barberine II der SBB. Dies war nötig, weil die alte Druckleitung dem hohen Druck nicht gewachsen gewesen wäre. Ebenfalls mussten neue Turbinen gebaut werden, weil sich die Wassermenge verdoppelte und damit auch die Kapazität der weiterführenden Röhre nach Vernayaz zu klein wurde. Es musste deshalb ein Staubecken in le Châtelard gebaut werden mit der Möglichkeit, überschüssiges Wasser in der Nacht wieder in den Lac d'Emosson hinaufzupumpen. Der Ausbau der Kapazität der zweiten Stufe zum Kraftwerk Vernayaz wurde erst 1989 realisiert.
Die zweite Stufe der ESA führt aus dem Speichersee des Kraftwerks Vallorcine über einen Stollen und eine Druckröhre nach La Bâtiaz bei Martigny.
Dies führt zu der Situation, dass zwei verschiedene Kraftwerkbetreiber einen Stausee gemeinsam, aber jeder mit eigener Infrastruktur nutzen und die Zuteilung der gewonnenen Energie musste vertraglich festgehalten werden. Die SBB erhält demnäch jährliche Pauschalbezüge an Wasser entsprechend ihrer historischen Bezüge, Entschädigung für die abgeleitetetn Wasserbezüge in Form von Speicherwasser. Ebenfalls hat sich die SBB mit 10% an den Kosten des Staudammes beteiligt. Dadurch eine Erhöhung der Mauer um 5 Meter möglich, wodurch ihr zusätzlich exklusiv 16 Mio m3 Wasser zusteht.
2008 begannen die Bauarbeiten am Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance. Die Betreibergesellschaft besteht zu 39% aus Alpiq, 36% SBB, 15% Industrielle Betriebe Basel und 10% Forces Motrices Valaisannes (FMV). Dazu wurde der Staudamm des Vieux Emosson von 45 auf 65 Meter Höhe ausgebaut. Zwischen den beiden Stauseen Vieux Emosson und Emosson wurden 6 Francis-Pumpturbinen eingebaut, die innert 10 Minuten vom Turbinenbetrieb in den Pumpbetrieb umschalten können. Dadurch kann temporär überschüssige Energie gespeichert werden. Die Anlage wurde 2018 schrittweise in Betrieb genommen. Interessant ist hier, dass der ganze Zugang zur Baustelle unterirdisch über einen 13 Km langen Tunnel hergestellt wurde.
GPS-Daten: Original GPS-Track
Von Martigny nach Le Châtelard:
Mit der Standseilbahn zum alten Wasserschloss in Le Montuires:
Im Panoramazug zum Fusse der Staumauer:
Mit dem minifunic zur Staumauer:
Panoramablick von der Staumauer bis zum Mont-Blanc:
Über die Staumauer zum Beginn des Aufstieges :
Aufstieg in der Gorge de la Veudale:
Angekommen auf 2500 Metern, weiter zu den Dinosaurierspuren:
Entlang des Vieux Emosson bis zur Staumauer:
Abstieg zum Lac d'Emosson, zum Ort der alten Barberine Staumauer:
Dem See entlang zurück, Rückfahrt mit den 3 Bähnchen:
Die meditative Talfahrt:
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